Warum läuft die Bewegung im Iran ihrem Ende zu?

Nuevo Curso, 3. Januar 2018

Laut nachrichtendienstlichen Quellen ging die Anzahl der Kundgebungen am Dienstagabend um ein Drittel und die Teilnahme fast um die Hälfte zurück. Der Schlüssel hierzu liegt nicht so sehr in den Drohungen von Khamenei und im Auftreten der Repression, die bereits ein Dutzend Toten und mehr als 1000 Häftlinge zur Folge hatte, und die bisher „gelinde” war. Der Schlüssel liegt im Scheitern des Aufrufs zu Streiks letzten Dienstag.

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Es gab keine Unterbrechungen der Arbeit in den großen oder kleinen Städten des ganzen Landes und die Märkte waren so beschäftigt wie sonst. (…) Die Protestbewegung läuft ihrem Ende zu.

 

 

 

 

Was hat die Bewegung verstört?

Seit ihrem Entstehen lag das Rückgrat der Bewegung in den Arbeiterkonzentrationen in der Ölindustrie. Die Mobilisierungen griffen schnell über auf einige Schlüsselbetriebe des Landes in Streik. Jedoch …  „Warum läuft die Bewegung im Iran ihrem Ende zu?“ weiterlesen

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Warum läuft die Bewegung im Iran ihrem Ende zu?

Willy Huhn, ein unbekannter Rätekommunist

Zur Publikation von Jochen Gester “Auf der Suche nach Rosas Erbe. Der deutsche Marxist Willy Huhn (1909-1970)”, Berlin, Die Buchmacherei, 2017Huhn_Umschlag_Vorderweite

Der Author bezeichnet diese Arbeit als eine ’biografische Skizze’. Das ist zu bescheiden, ist es Gester doch gelungen die charakterliche und politische Entwicklung Huhns in 200 Seiten zu beschreiben und kritisch zu analysieren. Das Buch enthält weiter eine Auswahl von 400 gedruckten Seiten Texten Huhns, wie mehr als 200 Seiten als PDF-Datei auf CD-ROM.

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Willy Huhn, ein unbekannter Rätekommunist

DIE ARBEITERKLASSE ERWACHT: MOBILISIERUNGEN IM NAHEN OSTEN, VON IRAKISCH KURDISTAN BIS IRAN

29-30. Dezember 2017 / NUEVO CORSO. Aktuelle Bilder:

https://www.youtube.com/watch?v=5OFz8ikphnU&w=762&h=425

Oben: die Bilder zeigen eine Demonstration des 30. Dezembers in Shiraz. Die Demonstrierenden rufen: “Diktatur, du sollst dich schämen und verschwinden.” Sie haben auch gerufen “Fort mit den Gardisten” und das Photo des höchsten Militärs der Gardisten (Gjadem Seimani, er war aktiv in Syrien) verbrannt. Sie rufen die Ordnungskräfte auf sich ihnen an zu schließen und sie wollen daß diese solidarisch mit den Demonstrierenden verhalten.


Die Massenmedien haben kürzlich über die Unruhen im Iran berichtet. Wir erhalten hauptsächlich Pressemitteilungen des iranischen Regimes. Totgeschwiegen werden:

  1. der Arbeitercharakter der Bewegung,

  2. die Tatsache, dass nicht nur die Regierung angegriffen wird, sondern auch die oppositionellen Fraktionen des islamischen Regimes (1),

  3. die Frage der iranischen Kriegsbeteiligung in verschiedenen regionalen Konflikten (Irak, Syrien, Libanon und Jemen), und

  4. der Anfang der Bewegung im irakischen Kurdistan, was der Bewegung einen internationalen Charakter verleiht.

Ohne zu behaupten, daß diese Bewegung auf der gleichen Ebene steht, erinnern wir uns, daß damals die bürgerliche Presse über die proletarischen Revolutionen von 1905 und 1917 in Russland in gleicher Weise berichtete.

 

Es ist typisch, daß das Regime im Iran die Forderungen der beschäftigten Arbeiter „nicht unvernünftig“ nennt. Dies könnte darauf hindeuten, daß die Streiks der Arbeiter weitergehen und das Rückgrat der Bewegung bilden. Das Regime hofft immer noch, die Arbeiter wieder unter ihrer Kontrolle zu bringen. Auf der anderen Seite hat das Regime die berüchtigte Bereitschaftspolizei Basidji den jungen Proletarier auf den Hals geschickt, die in allen Arbeiterzentren auf der Straße protestieren und diskutieren. Die Basidji sind eine der berüchtigsten und gewalttätigsten Sicherheitskräfte, die meistens eingesetzt werden, wenn das Regime wirklich zuschlagen will. Sie sind Söldner, die für Geld oder für islamische Motive in ihrer Repression sehr weit gehen können. Sie sind besonders aggressiv und kommen meist aus extrem religiösen bzw. und/oder armen Familien, manchmal aus dem Lumpenproletariat. Auf vielen Videos kann man sehen, daß die Basidji während Demonstrationen mit Mopeds und Motorrädern auftauchen… aber ohne Erfolg! (2)

Um den Klassencharakter der Bewegung der Arbeiter zu verschleiern, legen sowohl das Regime als auch die westlichen „demokratischen“ Medien nahe, daß es sich um einen internen Kampf innerhalb des Regimes oder um ausländische Einmischung handelt, oder daß sogar der islamische Staat dies unterstützt. Trump kooperiert mit einem Tweet und gibt dem Regime die Möglichkeit, die Antiamerikanische Karte zu spielen.

Wir werden die Entwicklungen in diesem Blog genau verfolgen und hoffen, daß wir bald eine tiefergehende Analyse zeigen können, als dies jetzt in Eile möglich ist.

Der Text unten und die Tweets dazwischen wurden vom spanischen Forum Nuevo Curso übernommen und mit unseren mangelhaften Sprachkenntnissen übersetzt. Die Titel sind von uns geändert worden.

Fredo Corvo, 31. Dezember 2017

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DIE ARBEITERKLASSE ERWACHT: MOBILISIERUNGEN IM NAHEN OSTEN, VON IRAKISCH KURDISTAN BIS IRAN

Herman Gorter 1914: die Phase des Imperialismus bringt die Arbeiterklasse auf eine Front dem Kapital gegenüber

Warum kann das Proletariat nicht mit Imperialistischer Politik mitmachen?

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Ruhe nach dem Sturm. Ein österreichischer Stoßtrupp und die Leichen seiner italienischen Feinde, 1918. Fotos: Galerie Bilderwelt.

(…)  Erstens bürdet der moderne Imperialismus in Friedenszeiten den Arbeitern Lasten auf die unerträglich werden.
Der Militarismus wächst durch den Imperialismus ins Endlose, die Sozialgesetzgebung kommt zum Stillstand, Steuern und Einfuhrzölle steigen, der Lebensunterhalt verteuert sich, der Reallohn sinkt, die Reaktion erstärkt.
Zweitens wird in Kriegszeiten das Proletariat vom Imperialismus zerschmettert. Seine Organisationen werden zerrissen, unermessliche Lasten werden ihm auferlegt. Hunger und Not, Arbeitslosigkeit und Tod, unendliche Schmerzen, Vernichtung ganzer Geschlechter kommen über sein Haupt, der Fortschritt wird auf gehemmt, die Völker werden gegen einander aufgehetzt, im Schosse des Krieges wachsen neue Kriege.  „Herman Gorter 1914: die Phase des Imperialismus bringt die Arbeiterklasse auf eine Front dem Kapital gegenüber“ weiterlesen

Herman Gorter 1914: die Phase des Imperialismus bringt die Arbeiterklasse auf eine Front dem Kapital gegenüber

GIK „Thesen zu revolutionären Betriebskernen, Partei und Diktatur“


Gerd Arnzt – 1931 Fabrieksbesetzung

In ihrer Broschüre Thesen zu revolutionären Betriebskernen, Partei und Diktatur stellt die rätekommunistische Gruppe Internationaler Kommunisten (GIK) ihre Position dar zu den neuen Inhalten und Formen, die die Bewegung der Arbeiter seit dem Ersten Weltkrieg angenommen hat. Die GIK löste auch die folgenden zwei Fragen der Kommunistischen Arbeiter Partei Deutschlands (KAPD), der Allgemeinen Arbeiterunion Deutschlands (AAUD) und Otto Rühles AAU-E:

  • Werden die Arbeiterräte aus den Arbeiterunionen entstehen?
  • Sollen die Revolutionäre sich an Lohnkämpfe beteiligen?

Die parlamentarische Massenpartei und die Gewerkschaft haben als proletarische Kampforganisationen ausgedient. An die Stelle dieser permanenten Massenorganisationen tritt während offener Arbeiterkämpfe die Betriebsorganisation als allgemeine Versammlung der kämpfenden Belegschaft mit gewählten und abwählbaren Kampfkomitees. Nur in Zeiten von permanenten Arbeiterkämpfe erscheinen die Arbeiterräte als Koordination über größeren geographischen Flächen, die sich auch über längere Zeit behaupten können.

Die GIK beschreibt ferner die Funktion von zwei Minderheitenorganisationen, nämlich die der revolutionären Betriebskerne und der Meinungsgruppen (oder im Falle des zahlenmäßigen Wachstums die der revolutionären Parteien). Arbeitslosengruppen hatten nach Ansicht der GIK die gleiche Funktion wie die revolutionären Betriebskerne.

Im Gegensatz zu der neuen Massenorganisation, der Betriebsorganisation, konnten die revolutionären Betriebskerne und die Meinungsgruppen außerhalb des Kampfes bestehen um daraus Lehren zu ziehen und Ansätze zu neuen Kämpfen zu geben. Das bedeutete aber nicht, wenn die revolutionären Minderheiten so groß waren, daß sie sich nicht mehr als Gruppen, sondern als Parteien bezeichneten, daß diese Parteien die Aufgabe hätten, die Macht zu ergreifen.

Bemerkenswert ist die direkte Verbindung welche die GIK zwischen der Assoziation freier und gleicher Produzenten nach der proletarischen Revolution und der proletarische Autonomie in den tagtäglichen Kämpfen um direkte Arbeiterinteressen zieht. Als Marxisten zieht die GIK diese Verbindung nicht auf Grund „eines Ideals wonach die reale Bewegung sich zu richten hätte“, sondern auf Grundlage der neuen Organisationsformen und der daraus hervorgegangenen Klassenziele der Massenstreiks und der Rätebewegung seit um die Wende zum 20. Jahrhundert.

Unsere Zeit unterscheidet sich in vielen Hinsichten von der Periode in der die GIK Lehren aus den revolutionären Arbeiterkämpfen von 1917 bis 1923 und der demokratischen, faschistischen und stalinistischen Konterrevolutionen zog. Die heutigen Revolutionäre müssen sich ihre Erkenntnisse selber erkämpfen, und zwar durch Begriff der gesellschaftlichen Kontinuität die uns verbindet, als auch durch Verständnis der Besonderheiten die uns von der vorherigen Geschichte trennen.

Zu den Text der GIK „Thesen zu revolutionären Betriebskernen, Partei und Diktatur

GIK „Thesen zu revolutionären Betriebskernen, Partei und Diktatur“

ARBEITSLOS – ARBEITER-LOS!

Otto Griebel
Otto Griebel „Der Arbeitslose“ 1921

Der folgende Text des späteren KAPD-Mittglieds Franz Jung aus dem Jahre 1919 (1) erwähnt einige Punkte zur Arbeitslosigkeit die in der heutigen Debatte zum bedingungslosem Grundeinkommen kaum beachtet werden:.

  • die Notwendigkeit, nicht nur die Arbeitslosigkeit, sondern auch die Lohnarbeit zu beseitigen;

  • die Bedeutung der Arbeit für soziale Kontakte und individuelle Lebensentfaltung.

Dagegen heißt die Forderung nach einem bedingungsloses Grundeinkommen soziale Isolation und Massenarbeitslosigkeit zu akzeptieren. Die gegenwärtige Massenarbeitslosigkeit ist unvermeidlich, solange der Kapitalismus existiert. Und das Gefährlichste ist, daß die Arbeiter ihr Schicksal in die Hände des kapitalistischen Staates legen, indem sie ein bedingungsloses Grundeinkommen fordern.

Die deutsche Rätebewegung von 1918-1923 sah die Lösung von Krise und Arbeitslosigkeit in der Führung der Produktion von den Arbeitern selber. Also keine Vergesellschaftung der Produktionsmittel durch Verstaatlichung. Erst wenn die Arbeiter selber die Kontrolle des Produktionsprozess übernahmen, konnten sie auch die Verteilung bestimmen von dem was sie produzieren. Wenn die Arbeiterräte alle Macht an sich zogen, konnte die Produktion auf die menschlichen Bedürfnisse ausgerichtet werden. Dazu war auch eine Konfrontation mit dem Staat notwendig. In der deutschen Revolution schlugen verschiedene sozialdemokratische Regierungen jeden Arbeitskampf nieder mit Hilfe bewaffneter Banden – die Freikorpse – die Vorläufer der nationalsozialistischen Bewegung waren. Arbeitslosen organisierten sich wie die Arbeitenden in Räten und stellten Forderungen an den Staat, ohne jede Illusion zu dem unterdrückenden Charakter des bürgerlichen Staates, „Sozialisten“ in der Regierung oder nicht.

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ARBEITSLOS – ARBEITER-LOS!