Erschienen: Deutsche Übersetzung der Zeitschrift Radencommunisme 1938 – 1940

Rätekommunismus: Marxistische Zeitschrift für selbstständige Klassenbewegung

400 Seiten Hardcover
€24.00

ISBN-10 ‏ : ‎ 3982379792
ISBN-13 978-3982379791

Verlag Red & Black Books

Ist der Kapitalismus, in dem der Reichtum einer kleinen Minderheit auf der Armut der Mehrheit der Bevölkerung beruht, tatsächlich alternativlos? Ist Kommunismus gleichzusetzen mit Lohnabhängigkeit unter totalitären Verhältnissen? Unsinn, bereits 60 Jahre vor der Auflösung des Realsozialismus war in der Arbeiterbewegung die Erkenntnis gereift, dass die Nationalisierung der Produktionsmittel, die weiterhin mehr oder weniger Programm der Sozialdemokratie wie auch der kommunistischen Parteien ist, keineswegs mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel identisch ist. Die wirkliche Zielstellung der lohnabhängigen Bevölkerung kann nur sein, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen das Verfügungsrecht über die Produktionsmittel (und damit über das Produkt) erobern und dadurch in der Tat die Lohnarbeit abschaffen. Für die lohnabhängige Bevölkerung kann das Ziel der sozialen Revolution kein anderes sein, als durch ihre Arbeit zugleich ihr Verhältnis zum gesellschaftlichen Produkt zu bestimmen. Das bedeutet: Abschaffung der Lohnarbeit! Die Arbeit ist das Maß des Konsums! Hauptvertreter dieser rätekommunistischen Bewegung war die Gruppe Internationaler Kommunisten, deren von 1928 bis 1940 erschienenen Publikationen 2020/21 neu aufgelegt worden sind. Die marxistische Monatszeitschrift »Radencommunisme«, die bisher nur auf Niederländisch erschienen war, wird mit dieser Ausgabe zum ersten Mal in deutscher Übersetzung zugänglich gemacht.

Vorstellung der neuen Zeitschrift „Radencommunisme“

Von der Redaktion, 1938

Hiermit erscheint die erste Ausgabe der neuen Zeitschrift „Radencommunisme“, die von
rätekommunistischen Arbeitsgruppen herausgegeben wird. Gleichzeitig stellt der P.I.C. sein Erscheinen ein.

Der P.I.C. war in der Tat eine Fortsetzung der Arbeit der alten K.A.P. Dennoch war sein erstes Auftreten ein Hinweis darauf, dass in der rätekommunistischen Bewegung ein grundlegender Wandel stattgefunden hatte; die K.A.P. war immer eine Partei unter anderen gewesen. Obwohl sie auch andere Vorstellungen über den Klassenkampf hatte, sah sie ihre Aufgabe wie andere Parteien darin, das Proletariat in seinem Befreiungskampf zu führen.

Die Kritik an der III. Internationale war eine Kritik an der Taktik, nicht an den grundlegenden Ansichten und Zielen, nicht am eigentlichen Wesen der bestehenden Arbeiterbewegung Es gab jedoch bereits einen wesentlichen Unterschied zwischen der K.A.P. und den anderen Parteien. Denn während die K.A.P. die revolutionären Arbeiterräte in ihrem Kampf gegen Entartung und Vernichtung unterstützte, stellte sie sich auf die Seite der Organisation der Arbeiterdiktatur und nicht auf die der Parteidiktatur.

Das erste Auftreten des P.I.C. war das Zeichen dafür, dass die weiteren Konsequenzen dieser in der Praxis eingenommenen Haltung mehr und mehr in das Bewusstsein der Rätebewegung einzudringen begannen. Dies eröffnete ihr eine neue Aufgabe: die Vertiefung und die Propaganda der Prinzipien von den Grundsätzen der selbstständigen Klassenbewegung der Arbeiter und der Rätediktatur. Während der 11 Jahre seines Bestehens hat der P.I.C. an dieser Aufgabe gearbeitet. Die „Grundprinzipien der kommunistischen Produktion und Verteilung“ sind eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit. Auch die Kritik an der bestehenden Arbeiterbewegung nahm einen völlig anderen Charakter an. Sie wurde nun als ein vorübergehendes Produkt der kapitalistischen Entwicklung betrachtet, das dazu bestimmt war, im Prozess der Revolution unterzugehen. So wurde die Frage der Bildung einer neuen Arbeiterbewegung aufgeworfen, die eine positive Rolle im Befreiungskampf der Arbeiterklasse spielen muss.
Und gerade diese Seite unserer Aufgabe hat in letzter Zeit stark an Bedeutung gewonnen. Die selbständigen Aktionen der Arbeiter werden immer zahlreicher und stärker; und dort, wo sie noch nicht stattfinden, entweder weil die Arbeiter ihre Bedeutung noch nicht hinreichend erkannt haben oder weil die Machtverhältnisse sie noch unmöglich machen, wächst doch bei vielen kämpferischen Arbeitern das
Bewusstsein für ihre Notwendigkeit. Auf dieser Grundlage beginnt sich bereits eine neue internationale
Bewegung zu bilden, die die Ansichten der Räte propagiert. Ein internationales rätekommunistisches Organ, „Klasbatalo“, wurde gegründet und hat bereits viel zur Verbreitung der Räteidee beigetragen.

Bedeutete die Gründung des P.I.C., dass ein Anfang mit der Vertiefung der rätekommunistischen
Grundauffassungen gemacht wurde, so drückt der „Radencommunisme“ nun aus, dass die Rätebewegung nach einer langen Zeit des Suchens und Tastens ihren Weg mit mehr Selbstbewusstsein gehen kann. Neben der Klärung, die innerhalb des engeren Kreises herbeigeführt werden muss, spielt die externe Propaganda eine immer wichtigere Rolle.

Daher die Gründung von Organen wie „Proletenstemmen“ und „Klasbatalo“, die aufgrund ihrer
Erscheinungsform bzw. der größeren Verbreitung auf die Propaganda in einem größeren Kreis ausgerichtet sein müssen, als dies bei dem P.I.C. der Fall war. Das theoretische Organ wird nun auch eine konkretere Form annehmen, und außerdem wird es von nun an die gemeinsame Publikation mehrerer rätekommunistischer Arbeitsgruppen in Holland sein.

Dies markiert den Beginn einer engeren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gruppen der
Rätebewegung. Es ist nur ein Schritt auf dem Weg zum Entstehen einer neuen Arbeiterbewegung, aber er läutet eine neue Phase ein, denn er steht am Anfang einer Ära, in der die rätekommunistischen Theorien immer mehr zu einer greifbaren Realität werden.

Erschienen: Deutsche Übersetzung der Zeitschrift Radencommunisme 1938 – 1940

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