Italien: Klassensolidarität prüft nicht den ‚Pass‘ der Gewerkschaften

Schlägertypen greifen Streikposten bei Dreamland an, 11-10-2021

Gestern haben in Prato während des von verschiedenen Basisgewerkschaften ausgerufenen Generalstreiks (an dem wir in Rom teilgenommen haben) etwa zehn Schläger, die vermutlich von den Eigentümern des Textilunternehmens Dreamland angeheuert worden waren, die geringe Zahl der Streikposten ausgenutzt, die durch die Teilnahme zahlreicher Arbeitnehmer an der Demonstration in Florenz entstanden war, und die Dauerbesatzung von Arbeitnehmern, die sich im Konflikt mit dem Unternehmen befanden, mit Baseballschlägern angegriffen, wobei fünf Personen verletzt wurden, von denen eine schwer verletzt wurde.

All dies geschah vor den wachsamen und untätigen Augen der sogenannten Ordnungskräfte, die es nicht für nötig hielten, einzugreifen. Es ist kaum verwunderlich, dass sie nicht eingriffen, um den Angreifern zu helfen.

Nur ein paar Tage zuvor war die CGIL-Zentrale von etwa fünfzig “Centoneros” [Schwarze Hundertschaftler] gestürmt worden, während sich die dünne Polizeikette in Windeseile auflöste. Der Angriff des Kapitals auf die Existenzbedingungen des Proletariats, das die Rechnungen für die Umstrukturierung nach der Pandemie bezahlen muss, hält alles in Schach. Hätte am Sitz der im Staat verankerten Gewerkschaft eine Konferenz ihrer nationalen Führer stattgefunden, hätte die Gendarmerie zweifellos größere Anstrengungen zur Verteidigung unternommen. Der bürgerliche Staat weiß seine Exponenten zu verteidigen. Aber auf dem Corso d’Italia war praktisch niemand, und das Symbol, der Sitz der Gewerkschaft, hätte in aller Ruhe überfallen und mit Füßen getreten werden können.

Wir haben keine Lust, Hunderttausenden von Arbeitnehmern, die Mitglied einer Gewerkschaft sind, egal welche Gewerkschaft es ist, und egal, welche pro-padrone Politik ihre Führung betreibt oder betrieben hat, zu sagen, dass wir angesichts eines Angriffs kleinbürgerlicher faschistischer Elemente keinen Unterschied zwischen ihnen, den Mitgliedern, und ihrer Führung machen; dass wir keinen Unterschied machen zwischen einem Arbeiterprotest, wie gewalttätig er auch sein mag, gegen eine opportunistische und kollaborierende Bürokratie und einem Angriff auf die Gewerkschaft als solche, der von Ladenbesitzern, wütenden Mittelständlern und muskelbepackten Schlägertypen verübt wird.

Und es ist sicher nicht im Namen des Antifaschismus, dass wir Stellung beziehen. Ein großer Teil der Bourgeoisie ist antifaschistisch, sogar einige Faschisten sind Antifaschisten, wenn es am besten passt. Die gesamte Bourgeoisie, ob demokratisch oder faschistisch, unabhängig von der Farbe ihres Gefieders, ist räuberisch arbeiterfeindlich.

Im Namen der Klassenverteidigung des Proletariats, im Namen des Sturzes der kapitalistischen Ausbeutung bringen wir also unsere Solidarität mit den bei der SI Cobas registrierten Arbeitern zum Ausdruck, die in Prato angegriffen und geschlagen wurden, sowie an die bei der CGIL registrierten Arbeitnehmer.

Unsere Klassenkameraden in Prato möchten wir auch daran erinnern, dass sie mit ihrem Kampf für die grundsätzliche Forderung nach 8 Stunden Arbeit pro Tag an 5 Arbeitstagen in der Woche, an statt zu 12 Stunden an 7 Tagen, das Fundament in Frage stellen, auf dem der Wohlstand und das Fortbestehen auf dem Markt vieler Unternehmen im Textilsektor beruht: die brutalste Ausbeutung, die sich in der Steigerung des absoluten Mehrwerts ausdrückt, der von den Arbeitnehmern erpresst wird.

Eine Bourgeoisie, die noch in der Lage ist, ungestört auf diese Weise vorzugehen, ist eine Bourgeoisie, die nicht zur Konsultation und noch weniger zum Dialog fähig ist, die bereit ist, ihre Interessen mit egoistischer Gewalt zu verteidigen, und die in den territorialen und nationalen Institutionen ihre volle Kooperation findet.

Es ist nicht nur richtig, sondern auch vorbildlich, mutig und nicht einfach, in einem solchen Kontext einen Kampf um solch entscheidende Klassenforderungen zu führen.

Lassen wir die Arbeiter von Prato nicht allein!

Lassen wir sie nicht allein und ohne die Kraft, das Niveau der Konfrontation, mit der sie konfrontiert sind, in jeder Hinsicht auszuhalten!

Circolo internazionalista “coalizione operaia“, 12-10-2021

Quelle: La solidarieta’ di classe non verifica il “pass” sindacale.

Zu den gegenwärtigen Arbeitskämpfe in Italien und das Problem der „Basisgewerkschaften“ siehe die verschiedenen Analysen und Berichte in „New from internationalist sites – with summaries and quotes from articles recommended for study and discussion“.

Italien: Klassensolidarität prüft nicht den ‚Pass‘ der Gewerkschaften

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