Nachwort: Es war einmal ein Aufruf zu einem internationalen Treffen in Kurdistan…..

Die Blogs Arbeidersstemmen und Arbeiterstimmen haben diesen Aufruf am 18. August mit einem kritischen Nachwort veröffentlicht. Zu unserem Bedauern hat sich die Diskussion mit den Initiatoren auf private Korrespondenz beschränkt, und trotz unseres Beharrens ist noch nichts veröffentlicht worden. Wir möchten daher einen kritischen Text aus der Gruppe Tridni Valka übermitteln, dem wir weitgehend zustimmen.

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Vor zwei Monaten haben wir hier einen Aufruf für ein internationales Treffen in Kurdistan veröffentlicht, der von „Militante in Kurdistan, Irak” unterzeichnet wurde, im Zusammenhang mit der zunehmenden und intensivierten Klassenkämpfe in der Region Naher Osten und insbesondere im Irak und Iran.

Aber eine Sache ist es, Materialien von militanten Gruppen als praktische Aufgabe zu übersetzen, um gemeinsam die proletarische Gemeinschaft von Kampf und Kritiken zu entwickeln, eine andere ist es, sich vollständig auf den Inhalt des Textes zu einigen (oder nicht).

Seitdem hat sich eine internationale Diskussion [nicht veröffentlicht; Übersetzer] um und über diesen Appell entwickelt. Die folgenden Zeilen sind ein Ergebnis dieser Diskussion, die auch die Grundlage für die Entwicklung unserer Kritik des Textes war.

Als wir diesen Appell erhielten, betrachteten wir ihn als eine Initiative unserer Klasse, als ein militantes Bemühen, sich zu zentralisieren und proletarische Direktaktionen in der Nahostregion zu zentralisieren, auch wenn er vielleicht nicht allen unseren Kriterien entspricht, auch wenn wir ihn nicht auf diese Weise geschrieben hätten, auch wenn er Meilensteine und viele Punkte ungelöst oder unklar, ja sogar sehr vage lässt, und der Vertiefung, eine Erläuterung erfordert …..

Der Klassenkampf in der Region ist seit den letzten Jahren und Monaten immer intensiver geworden: Demonstrationen, Unruhen, Besetzungen, das Abbrennen von Regierungs- und Milizengebäuden, die Bewaffnung des Proletariats, die Reorganisation seiner Kräfte…. der Kampf gegen die Ausbeutung und die globale Diktatur des Wertes, der die Entwicklung und Durchsetzung der Diktatur der menschlichen Bedürfnisse verhindert.

Daher scheint es logisch zu sein, dass die lokalen proletarischen Gruppen versuchen, sich zu organisieren, unsere Klassenassoziation zu entwickeln und ihre Aktivitäten zu teilen und zu zentralisieren und das alles nicht nur im Rahmen eines Nationalstaates, sondern (was wichtig ist) auch international. Wir können solche Versuche nur begrüßen, da sie für die Fortsetzung, Entwicklung und Verbreitung des Klassenkampfes entscheidend sind, zumal wenn sie aus der lokalen Realität des Klassenkampfes erwachsen sind, wie es im Irak der Fall ist.

Ohne in die Falle eines Übermaßes an Optimismus und Überbewertung zu fallen, wollten wir diese Initiative nicht ablehnen (und es kam für uns nie in Frage sie abzulehnen), was uns in eine unverantwortliche Gleichgültigkeit und Liquidationismus oder in egozentrische Selbstgefälligkeit versinken lassen hätte…. Gestern, heute und morgen, waren und sind Kommunisten, und werden immer noch mit Dutzenden, Hunderten von Initiativen mit wenig klaren Kriterien, mit verschwommenen und ausweichenden Perspektiven konfrontiert werden, und wird es immer noch notwendig sein, dass die entschlossensten Elemente des Proletariats im Kampf die Leitung, Klärung, Vertiefung, Koordination, Zentralisierung vorantreiben…. um das Gift der Konterrevolution aus unseren Reihen zu entwurzeln……

Von jeher mussten die Kommunisten (und wir bestehen hier noch einmal darauf, dass der formale Name, den wir uns geben, weder eine Garantie noch das entscheidende Element für die Entwicklung unseres Kampfes ist), also haben die Kommunisten immer hart kämpfen müssen, um zu kritisieren, jede sozialdemokratische Tendenz anzuprangern, zu brechen, zu vernichten, auszurotten, die in unseren Kämpfen, unseren militanten Strukturen, in unseren Texten, Appellen, Manifesten…. wie ein Gift, um sie von ihrer subversiven Substanz zu entleeren und sie von ihrem endgültigen Ziel abzulenken: die Abschaffung der Lohnarbeit und damit des Kapitals (und umgekehrt), des gegenwärtigen Zustands der Dinge und ihres Staates…..

Dies sind im Wesentlichen die Gründe, warum wir uns entschieden haben, den Appell zu veröffentlichen und zu verbreiten.

Aber auf der anderen Seite waren und sind wir uns der wichtigen Schwächen dieses Aufrufs bewusst.

Es ist vor allem das Fehlen klarer Kriterien für mögliche Teilnehmer. Ein internationales und internationalistisches Treffen ist keine offene Debatte (eine Konferenz), bei der alles diskutiert und in Frage gestellt werden kann! Wenn die Frage des internationalen Treffens darin bestehen sollte, so wichtige Fragen wie die Zentralisierung der proletarischen Kräfte, die Umwandlung der Waffen gegen unsere eigene Bourgeoisie, die Umwandlung eines Krieges zwischen bürgerlichen Fraktionen in einen Bürgerkrieg [zwischen Proletariat und Bourgeoisie; Übersetzer]…. zu diskutieren, ist es notwendig, zu klären, mit wem und auf welcher Grundlage wir zentralisieren wollen. Wen betrachten wir als revolutionär, internationalistisch, kommunistisch? Diejenigen, die es behaupten oder die, deren Praxis es beweist? Wir glauben, dass eine internationalistische Diskussion nur mit den Gruppen geführt werden kann, die die Grundlage kommunistischer Positionen teilen – Internationalismus, revolutionärer Defätismus, gegen Lohnarbeit, gegen Staat, gegen Kapital…..

Wir müssen auch eine Art Fetischismus des bewaffneten Kampfes ablehnen, wie er in der Aufforderung erscheint. Wenn wir darauf bestehen, dass sich das Proletariat bewaffnen muss, wenn die Situation in Kurdistan es als reine Überlebensnotwendigkeit für die Proletarier bezeichnet, können wir kaum eine Art Miliz oder Selbstverteidigungseinheit als solche unterstützen oder loben, und wir können sie auch nicht als einen qualitativen Sprung als solchem im Klassenkrieg betrachten. Bewaffneter Kampf ist als solcher nicht revolutionär. Bewaffneter Kampf kann nur als Ergebnis einer revolutionären sozialen Praxis des Proletariats revolutionär sein. Und es ist diese soziale Praxis, die die Formen des (bewaffneten) Kampfes bestimmt. Was den Unterschied zwischen einem bewaffneten Kern und der Roten Armee ausmacht, ist sein Inhalt – der Klasseninhalt, das proletarische Programm, das von ihm übernommen wird.

Wir wollen auch auf den Kritiken des Gradualismus bestehen, der den Klassenkampf, wie er in dem Aufruf erscheint, bestehen. Wir möchten hier darauf hinweisen, dass sich der Klassenkampf nicht allmählich entwickelt – von der kleinen Demonstration bis zum Aufstand, von einer kleinen proletarischen Gruppe bis zum weltweit als Partei organisiertes Proletariat. Im Gegenteil entwickelt sich der Klassenkampf durch eine Reihe von Organisationsbrüchen, programmatische Klarstellungen, die zwangsläufig gewalttätige Formen annehmen werden. Kommunisten sind keiner Organisation, Gruppe oder Partei treu, sie sind nur dem kommunistischen Programm treu, und wenn die gegebene Struktur von ihr abweicht, sollten Kommunisten sie nicht nur verlassen, sondern sich außerhalb davon und gegen sie organisieren. Wieder einmal sind es die revolutionären Inhalte, die vorherrschen.

Wir haben keinen Zweifel daran, dass es notwendig ist, die proletarischen Aktivitäten in der Region Kurdistan zu zentralisieren. Aber es stellt sich natürlich auch die Frage nach der Machbarkeit eines solchen internationalen Treffens, insbesondere in Bezug auf die Sicherheit der teilnehmenden Militanten. Sind die Genossen „Militante in Kurdistan, Irak“ in der Lage, eine solche Verantwortung in einer Region zu übernehmen, die von Streitkräften und Geheimdiensten aller möglichen Couleur durchzogen ist?

Wenn sich im internationalistischen Milieu eine Debatte über diese Fragen entwickelt, wenn es Versuche zur Klärung der oben genannten Probleme gibt, müssen wir zugeben, dass es nicht viele Antworten der „Militanten in Kurdistan, Irak“ gibt. Liegt es an harter Repression oder an technischen Problemen? Oder haben wir uns geirrt, als wir ihren Appell ernst nahmen?

Was auch immer die Antwort sein wird, es ändert nichts an der Tatsache, dass sich die Kommunisten weiterhin mit der Dezentralisierung des direkten Handelns, der lokalen und regionalen Initiativen, der Umgruppierung der militanten Kräfte und der Versuche, den Kampf auf der einen Seite, und auf der anderen Seite „politisch“, programmatisch Zentralisierung durch klare zentrale Richtlinien, die das zu erreichende Gesamtziel und den zu zerstören Feind bestimmen und definieren … Das heißt, Zentralisierung und Dezentralisierung nicht als Widerspruch, sondern als Teil desselben Prozesses, derselben Bewegung, in Kurdistan, auf der ganzen Welt.

Class War – 24/10/2018.

Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche: F.C., 28. Oktober 2018

Nachwort: Es war einmal ein Aufruf zu einem internationalen Treffen in Kurdistan…..

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